Nachruf

Am 03.08.2020 verstarb
unser Mitglied

Helmut Kaiser

Studiendirektor i. R.

Gründungsmitglied
der
Società Dante Alighieri
Traunstein e. V.

Trauergottesdienst am Dienstag, 11. August 2020,

um 14 Uhr in der Pfarrkirche Hl. Kreuz in Traunstein.

 

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Wir sind wieder so weit pronto:

 

Das neue Programm 2020, II kann hier heruntergeladen werden, ebenso extra das Kultur-Programm und die Sprachkurse im 2. Halbjahr 2020!

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Eine Bitte an unsere Mitglieder und Förderer:

 

Zunächst "mille grazie" für Ihre Unterstützung.

 

Um auf den alten Mitgliederstand zu kommen, muß unsere Società in der Öffentlichkeit bekannter werden. Unser Vereinsname ist zwar hübsch, aber viele, die ihn das erste Mal hören oder lesen, können damit zunächst nichts anfangen.

Das gelingt nur über die Bekanntschaft mit unserem Programm.

 

Deshalb ist es unabdingbar, dass wir in der Presse präsenter werden. Leicht gesagt, aber schwer finanziert! Inserate im Traunsteiner Tagblatt gehen mit hunderten von Euro schmerzhaft ins Geld.

 

Daher unsere Bitte:

Helfen Sie uns, neue Mitglieder und Förderer zu finden und überweisen Sie uns eine Spende auf unser Konto bei der Sparkasse Traunstein,

IBAN-Nr.: DE60 7105 2050 0000 0236 55 / BIC: BYLADEM1TST

 

Berichten Sie uns, wenn Sie einen Fisch an Land gezogen haben, bitte, an

unsere E-Mail-Adresse <info@dante-traunstein.de> oder per Post/Briefkasten

an Kotzinger Str. 2 a, 83278 Traunstein.

 

Unser Büro ist momentan während der Sommerferien nicht besetzt.

Frau Giovanna Donnini ist am 25.08.2020 wieder aus Italien zurück.

 

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Gibt es Marsmenschen?

                  Antwort: Ja, einer ist sogar Bürgermeister von Genua.                                          Überzeugen Sie sich selbst.

 

Marco Bucci

Genuas Stratege

Schon seit einigen Wochen hat Genuas Bürgermeister Marco Bucci von seinem Schreibtisch einen direkten Blick auf das Bild von seinem bisher größten Projekt: Die neue Autobahnbrücke, beleuchtet in den italienischen Nationalfarben. Sie wurde an diesem Montag eingeweiht und ist wegen der nur 18 Monate Bauzeit zum Stolz Italiens avanciert – nach der Schmach des dramatischen Einsturzes vom August 2018. In Italien ist längst klar, dass gerade der Bürgermeister der Architekt des Achtungserfolges war. Denn während der vergangenen zwei Jahre arbeitete er auch noch als Regierungskommissar mit besonderen Vollmachten für den Wiederaufbau der Brücke.

 

Der heute 60 Jahre alte Bucci war prädestiniert für die Ernennung zum Kommissar, weil er in der italienischen und lokalen Politik bis dahin ein Außenseiter war, ehemals führender Manager in amerikanischen Unternehmen, der erst im Herbst 2015 in seine Heimatstadt Genua zurückgekehrt war. Bucci hatte 2017 als parteiloser Kandidat des rechten Parteienspektrums einen unerwarteten Erfolg erzielt. Zugleich schien es aber so, als sei Bucci jemand, der als Seiteneinsteiger keine Gefahr darstellte, ein sperriger Konkurrent für andere Politikerkarrieren zu werden.

 

Viele sind nun überrascht worden von der Durchsetzungskraft des Bürgermeisters und von seiner Fähigkeit, strategische Perspektiven zu entwickeln. „Eine Art Marsmensch, der aber genau weiß, wo er hinwill“, schreibt der Mailänder „Corriere della Sera“. Bucci, vom Studium her Chemiker und Pharmazeut, hätte sich auch mit überschaubareren Aufgaben begnügt, als er nach Genua zurückkam. „Nie hatte ich das Ziel, Bürgermeister zu werden.“ Während seiner Berufslaufbahn befasste er sich zu einem großen Teil mit der technischen Entwicklung und Vermarktung von Geräten für Röntgenbilder und andere medizinische Aufnahmen, in Konzernen wie 3M, Kodak, zuletzt schließlich in der amerikanischen Firma Carestream Health als Chef einer Sparte mit 1,2 Milliarden Dollar Umsatz und 290 Millionen Dollar operativem Ertrag. Als er nach 35 Berufsjahren nach Genua zurückkam, war die Absicht nur, etwas zu tun im Dienst an der Allgemeinheit, um ganz im Geist amerikanischer Manager etwas „zurückzugeben“ an die Heimatstadt.

 Im gleichen Moment, im Herbst 2015, hatte erstmals nach längerer Zeit wieder ein rechter Kandidat die Wahlen für das Amt des Regionalpräsidenten in Ligurien gewonnen. Bucci wurde daraufhin mit einem Sanierungsfall betraut, einerregional geführten Gesellschaft für Digitales und Software, mit 422 Mitarbeitern und 50 Millionen Euro Umsatz.

 

Die hatte Bucci schon in wenigen Monaten von einer Geldvernichtungsmaschine zu einem funktionierenden Unternehmen umgekrempelt. Damit fiel er schließlich den Lokalpolitikern auf, die nach jahrzehntelanger Herrschaft der Linken über Genua endlich einen erfolgversprechenden Kandidaten brauchten. Der lange Zeit vom Niedergang großer Staatsbetriebe geprägten Stadt, die in 40 Jahren ein Viertel ihrer Einwohner verlor und nun überaltert ist, hat Bucci als neuer Bürgermeister neue Ambitionen gegeben. Während es früher nur darum ging, mit Klientelpolitik den Niedergang zu verwalten, spricht Bucci davon, dass Genua eine große Zukunft haben kann, wenn man sich um Wettbewerbsfähigkeit auf dem globalen Markt bemüht und sich international vermarktet. Schließlich ist Genua immer noch geprägt von Ingenieuren und Naturwissenschaften, auch Standort des nationalen Forschungsinstituts IIT, das die deutsche Fraunhofer-Gesellschaft zum Vorbild hat. Bucci bemüht sich um amerikanische Ansiedlungen und hat vor wenigen Tagen eine Entwicklungseinrichtung der Cisco-Sparte Webex für Videokonferenzen eröffnet. Neben Technologie sollen der Hafen und die Logistik und der Tourismus entwickelt werden. Allen drei Bereichen hat Bucci einen Quantensprung verordnet.

 

Fordernd ist Bucci als Kommissar für den Brückenbau, wo er seine Vorstellungen von kurzer Bauzeit oder hermetisch abgeriegelter Baustelle durchsetzte. Doch auch in der städtischen Politik zeigt er Härte. Sein Trumpf ist, dass er keine weiteren Karriereziele in der Politik hat und jederzeit zurücktreten kann. „Ich bin gewählt, um Entscheidungen zu treffen“, lautet dabei sein Prinzip. Wie die Dinge laufen, wenn man keine Ambitionen hat, könnten die Genuesen in ihrer eigenen Geschichte sehen. „Um 1600 waren wir die reichste Stadt der Welt“, sagt Bucci. „Und genau weil man sich zu lange in dieser Position gesonnt hat, war man dann nicht mehr wettbewerbsfähig.“

- FAZ, SEITE 20 · DIENSTAG, 4. AUGUST 2020 · NR. 179 -

 

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NEUE BRÜCKE IN GENUA ERÖFFNET:

Solider Neuanfang auf 18 Pfeilern

 

AKTUALISIERT AM 03.08.2020-20:09

1067 Meter Brücke in nur 310 Arbeitstagen: Knapp zwei Jahre nach dem Einsturz der Autobahnbrücke in Genua, bei der 43 Menschen ihr Leben ließen, ist die neue Konstruktion feierlich eingeweiht worden.

 

Wie gut, dass die neue Autobahnbrücke von Genua ihren ersten Belastungstest schon am 23. Juli bestanden hatte: 56 Lastwagen mit fast 2500 Tonnen Gewicht hatten die Statik der 1067 Meter langen Konstruktion, entworfen vom Genueser Architekten Renzo Piano, erfolgreich auf die Probe gestellt.

 

Am Montagabend hat Italiens Staatsspitze knapp zwei Jahre nach dem tödlichen Brückeneinsturz von Genua den fertigen Neubau gefeiert. Für den Festakt hatten sich die Ehrengäste auf der Fahrbahn hoch über der ligurischen Hafenstadt versammelt. Schon vorher würdigten Politiker das Bauwerk als Signal für den Aufbruch des Landes, das von der Corona-Krise schwer gezeichnet ist.

 

„Aus einer Wunde, die nach wie vor nur schwer heilt, erhebt sich das Symbol eines neuen Italiens“, schrieb Ministerpräsident Giuseppe Conte auf Facebook. Der Premier sowie Staatspräsident Sergio Mattarella, mehrere Minister aus Rom und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens waren anwesend. Regen und Sonnenschein wechselten sich kurz vor Beginn der Feier ab. Außerdem war zeitweise ein Regenbogen am grauen Himmel zu sehen.

310 Arbeitstagen bis zur Fertigstellung

 

Hätten auch Metaphern der Wiedergeburt und der Zukunftshoffnung ein messbares Gewicht, der Stresstest bei der Einweihungszeremonie am Montagabend wäre noch härter ausgefallen. Alles spricht dafür, dass die neue Sankt-Georgs-Brücke über den Fluss Polcevera, die aus 50 bis 100 Meter langen Stahlträgern besteht, die auf 18 bis 45 Meter hohen Betonpfeilern ruhen, auch unter den überzogenen Erwartungen nicht ins Wanken gerät. Nachts wird die Brücke von 43 Scheinwerfern beleuchtet. Jedes Licht soll an eines der 43 Opfer erinnern, die beim Einsturz der Morandi-Brücke am 14. August 2018 ihr Leben verloren hatten.

Die Eröffnung der neuen Brücke ist ein wichtiger Schritt für die vom permanenten Verkehrskollaps bedrohte Hafenstadt auf dem Weg zu weniger chaotischen Verhältnissen. Für die buchstäblich zwischen dem Meer und den Bergen eingekeilte Stadt bedeutete die Durchtrennung ihrer wichtigsten Verkehrsader Verluste von rund sechs Millionen Euro täglich. So hat es Bürgermeister Mario Bucci errechnet.

 

Die Regierung in Rom ernannte ihn zum Kommissar für den Brückenneubau, und nur dank seiner Sondervollmachten konnte sich der einstige Manager eines Pharmaunternehmens beherzt durch das Gestrüpp der italienischen Bürokratie schlagen. In genau 310 Arbeitstagen, an denen rund um die Uhr gearbeitet wurde, konnte das 202 Millionen Euro teure Bauwerk fertiggestellt werden. Nur an Weihnachten ruhten die Arbeiten. Gewöhnlich dauert es in Italien 16 Jahre, bis Projekte mit einer Bausumme von mehr als 100 Millionen Euro realisiert werden.

„Es muss einen Prozess geben“

Die neue Brücke ist nur ein Element bei dem Mammutvorhaben, die Infrastruktur der ligurischen Hauptstadt für die Zukunft zu rüsten. Weil bei Inspektionen der Tunnel und Brücken der Zufahrtstraßen Genuas zahlreiche Mängel festgestellt worden waren, wird seit zwei Jahren allenthalben repariert und saniert. Das Ergebnis sind kilometerlange Staus und stundenlange Zeitverluste im Personen- und Güterverkehr. Eine große Umgehungsstraße zur Entlastung des innerstädtischen Verkehrs ist seit Jahrzehnten in Planung, und sie wird seit Jahrzehnten von jenen politischen Kräften verhindert, die jetzt den Neubau der Polcevera-Brücke bejubeln und die Wiederverstaatlichung der vor zwei Jahrzehnten privatisierten italienischen Autobahnen vorantreiben.

 „Wir hoffen, dass auch nach diesem Tag das Andenken an die Opfer nicht vergessen wird“, hatte Egle Possetti vom Angehörigen-Komitee am Montag im Fernsehsender Sky TG24 gesagt. „Es muss einen Prozess geben.“ Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen der Schuld am Brückeneinsturz und möglicher Wartungsmängel laufen noch. Unterhalb der Brücke wird noch gebaut. Ein vom Mailänder Architekten Stefano Boeri entworfener Park soll zur zentralen Gedenkstätte für die Opfer der Tragödie werden. Die Hinterbliebenen blieben der Eröffnungszeremonie am Montag fern. Anders als für die eingestürzte Morandi-Brücke gab es für ihren Verlust keinen Ersatz.

TOBIAS PILLER, ROM

Quelle: rüb/dpa

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NUR 18 MONATE BAUZEIT:

 

Er hat weltberühmte Bauwerke in New York, Berlin und London erschaffen. Nun schenkt Renzo Piano seiner Heimatstadt Genua eine neue Brücke – auch als Erinnerung an die 43 Opfer der Katastrophe von 2018.

 

- Ein Porträt -

 

Das Gerede vom „Wunder von Genua“ hat ihm nie gefallen.

„Diese Brücke ist das Kind einer furchtbaren Tragödie“, sagt 

Renzo Piano über das von ihm entworfene Viadukt über den Fluss Polcevera, das am Montagabend feierlich eröffnet wurde. Vom Abriss der letzten Trümmerteile der alten Brücke bis zum Richtfest an der neuen hatte es wenig mehr als ein Jahr gedauert. Das ist für italienische Verhältnisse tatsächlich ein halbes Wunder. Gewöhnlich brauchen Großprojekte der Infrastruktur mitunter Jahrzehnte, bis sie genehmigt, gebaut und schließlich genutzt werden können.

 

Piano erinnert sich voll Schmerz an jenen Tag, als er vom Einsturz der Morandi-Brücke in seiner Heimatstadt Genua erfuhr. Es war am 14. August 2018 um 11.36 Uhr. Ein schweres Sommergewitter ging gerade über der ligurischen Hafenstadt nieder, als der westliche Pylon der Schrägseilbrücke aus Spannbeton in sich zusammensackte. Die Fahrbahn stürzte auf einer Länge von rund 250 Metern in die Tiefe. 43 Menschen wurden in den Tod gerissen. Mutmaßlich war nachlässige Wartung Ursache für das Unglück.

 

43 Segel der Trauer

 

Schon eine Woche nach der Katastrophe begann Piano mit der Planung für eine neue Brücke über das Polcevera-Tal. Er telefonierte mit Bürgermeister Marco Bucci und dem ligurischen Regionalpräsidenten Giovanni Toti, bot pro bono seine Dienste an. Um der Stadt, in der er am 14. September 1937 als Spross einer Familie von Bauunternehmern geboren wurde, „eine Hand zu reichen“. Integraler Bestandteil der neuen Brücke aus Betonpfeilern und Brückenelementen aus Stahl sind die 43 hoch aufragenden Laternen, die mit ihrem Licht jede Nacht an die 43 Opfer erinnern sollen. „Brücken haben nicht das Recht einzustürzen“, sagt Piano. Und obwohl er weiß, dass nichts von Menschenhand Erschaffenes ewig hält, wünscht er sich, die neue Brücke möge „tausend Jahre“ stehen. Und Piano wünscht sich, dass die Brücke, die nach dem heiligen Georg, dem Schutzpatron Genuas benannt ist, von den Menschen geliebt werde.

 

So wie er, als junger Architekt, die von 1962 bis 1967 nach den Plänen von Riccardo Morandi errichtete Brücke geliebt habe. „Tausend Mal bin ich über die Brücke gefahren“, erinnert sich Piano:

 

„Auf dem Heimweg mit dem Auto von Mailand konnte man es nicht erwarten, über die Morandi-Brücke zu fahren, um das mediterrane Licht und das Meer wiederzusehen.“ So wird es jetzt wieder sein, wenn man von Norden her nach Genua kommt, in die Stadt zwischen Berg und Meer. „Jedes Bauwerk hat einen Spitznamen“, sagt Piano, „und vielleicht werden die Kinder die Brücke einmal ,la nave‘ nennen, das Schiff.“ Mit 43 Segeln der Trauer schwebt dieses weiße Schiff über dem Polcevera. Und Renzo Piano, der in aller Welt Zeugnisse seines Genies als Architekt hinterlassen hat, wird für tausend Jahre dessen Kapitän sein.

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Matthias Rüb

Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

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